Sozialstruktur der Wildrinder der Gattung Bison
Der Wisent - Bison bonasus (L. 1758 )
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GRÜNDER DER BESTEHENDEN POPULATION DES EUROPÄISCHEN BISONS |
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Flachland (Bialowieza od. LB) Linie
> 84 % der Gene in der LB-Linie |
Flachland-Kaukasische (LC) Linie
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Nach dem 2. Weltkrieg war der Wald geteilt: Während der westliche Teil
weiterhin zu Polen gehörte, wurde der östliche Teil weißrussisches Territorium.
Mit 17 verbleibenden Individuen wurde im polnischen Teil die Zucht
fortgeführt.
Diese verlief so erfolgreich, dass 1952 die ersten Wisente das Reservat
verlassen konnten (vergl. Abb. 4). Nicht alle Tiere waren im Stande, in freier Natur zu
überleben, jedoch wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten 1957 das erste wilde
Kalb geboren. In den frühen 70er Jahren begann die Population stark anzusteigen.
1971 gab es über 200 frei lebende Wisente in Białowieża, und eine
Regulation durch den Menschen wurde notwendig. Viele Tiere wurden gefangen und
an andere Züchter in Polen und ganz Europa verkauft.

Abb. 4: Anzahl der Wisente in Białowieża, 1840 bis heute.
Im weißrussischen Teil des Waldes wurden die ersten Wisente 1953 aus den Reservaten freigelassen, und so entwickelten sich zwei Herden parallel auf beiden Seiten der Grenze. Nur selten kam es zum Genaustausch, wenn ein Bulle die Grenze überquerte. Doch auch dieser minimale Austausch wurde 1980 unterbunden, als ein Grenzzaun errichtet wurde. Dieser bildet nicht nur für Wisente, sondern auch für viele andere Waldtiere eine künstliche Barriere. Die Größe der Wisentpopulation auf der weißrussischen Seite sank von 315 im Jahr 1990 auf heute unter 300. Auf der polnischen Seite dagegen wächst die Population allmählich und zählte Ende 2004 379 Tiere.
Im Fall der Wisente handelt es sich um eine Situation, die man als "bottleneck"
bezeichnet. Eine unselektive Vernichtung der Population führt dazu, dass die überlebenden
Tiere in ihrer genetischen Ausstattung nicht die Ursprungspopulation repräsentieren.
Durch Zufall sind meist einige Allele über- oder unterrepräsentiert, und andere können
völlig aus dem Genpool verloren gehen.
Allgemein kommt es im Fall des Flaschenhalseffekts zu folgenden Problemen:
Verlust ursprünglicher Heterozygosität in nachfolgenden Generationen (direkter Einfluss)
Verlust von Allel-Diversität (direkter Einfluss)
Inzuchtdepression (indirekter Einfluss)
Verringert die individuelle Fitness
Reduziert das Adaptionspotential einer Population
Verringert den Fortpflanzungserfolg der Population insgesamt
Der Inzuchtkoeffizient bei der Wisentpopulation der
Tiefland-Białowieża-Zuchtlinie liegt bei 48%. Dennoch sind aus
ungeklärten Gründen bei den Tieren in Białowieża keine Zeichen
für Inzuchtdepressionen zu beobachten, und die genetische Diversität, die
unter anderem anhand von Mikrosatelliten-Markern ermittelt wurde, ist in
den meisten Fällen größer als erwartet. Bei den kaukasischen Wisenten
dagegen liegt der Inzuchtkoeffizient bei über 28%, und sie haben
paradoxerweise im Gegensatz zu der Tiefland-Białowieża-Zuchtlinie
eine deutlich reduzierte Fitness, obwohl sie immerhin von 12 unterschiedlichen
Tieren abstammen (bei der Białowieża-Linie sind es 7 - siehe
Tab. 1).
Die Gründe hierfür sind unklar. Die Begründer der Białowieża-Linie
müssen "reine", gute Gene gehabt haben, frei von tödlichen oder
auch nur unvorteilhaften Genen. Ein einziges Tier in der Tiefland-kaukasischen
Zuchtlinie mit unvorteilhaften Genen, welches aber aufgrund der geringen Zahl
an Tieren in der Zucht eine wichtige Rolle spielte, kann dort die Quelle für
die Inzuchtdepression gewesen sein.
Dass die Wisente in Białowieża keinerlei Probleme mit der Inzucht
zu haben scheinen, könnte ein Anzeichen dafür sein, dass Mechanismen existieren,
die diese Rinderart vor dem Verlust an genetischer Diversität schützen.
im Eleonorenwald-Semireservat
vgl. auch den Aktionsplan zur Wiederansiedlung des Wisents
Explorationsverhalten und Raum-Zeitmuster-Entwicklung einer Wisentherde Bison bonasus in einem Semiwaldreservat der Nordwestdeutschen Tiefebene (Britta Bösing, Ethologie).
Sozialisation und Weidegang-Verhalten der Gründerherde im Semireservat.
Die interspezifischen Einflüsse der Wisente auf syntope Weidegänger.
Untersuchung über die Interaktionen von Wisenten und Damwild (Stefan Lange, Umweltwissenschaften, Ethologie).
und
im Wisentgehege Springe
Entwurf eines Wisent-Ethogramms auf der Grundlage von Filmanalysen
Gibt es bei Wisenten in der Gehegehaltung eine sexuelle Segregation?
van den Brink, W. J. (1980): The behaviour of wisent and bison in larger enclosures.- Acta Theriol. 25: 115-130.
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Kowalski, K. (1967): The evolution and fossil remains of the European bison. - Acta Theriol. 12: 335-338.
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Mohr, E. (1952): Der Wisent. - Die Neue Brehm Bücherei Leipzig.
Pedegree Book of the European bison and European bison pedegree book - PWN-Polish Sci. Publ. Warsawa.
Pucek, Z. (1984): What to do with the European bison, now saved from extinction? - Acta Zool. Fennica 172:187-190.
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