Anna Maria Schmidt

"Einfluss von Zufall und Selektion auf die Hügelstruktur
der nordaustralischen Kompasstermite Amitermes meridionalis"

Zur Person:  
Mai 1999 Abitur am Gymnasium Hittfeld
Oktober 1999 Beginn des Biologiestudiums an der Universität Hamburg
Oktober 2004-
Juli 2005
Diplomarbeit mit Laboraufenthalt an der Universität Palma de Mallorca: "Karyologie und Populationsgenetik von Chrysolina aurichalcea (Coleoptera: Chrysomelidae)
August 2005 Beginn der Doktorarbeit bei Dr. Judith Korb
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Forschungsinteressen:

Innerhalb der Biologie interessiert mich vor allem die Schnittstelle von Evolutionsbiologie und Verhaltensökologie. Das ist der Grund, warum ich in meiner Doktorarbeit die adaptiven Merkmale bestimmter Verhaltensmuster erforschen möchte. Höhere Termiten bieten hier ein perfektes Untersuchungsmodell, denn neben ihrer komplexen und damit verhaltensbiologisch sehr interessanten Sozialstruktur, stellen ihre Wohnbauten eindrucksvolle Gebilde dar. Obwohl die Termiten oft nur einige Millimeter groß sind, können sie Hügel von bis zu 8 m Höhe errichten.

Zu den bemerkenswertesten Hügeln zählen die Wohnbauten der Kompasstermite Amitermes meridionalis, die wir als unser Untersuchungsobjekt gewählt haben. Diese Art kommt ausschließlich in einem kleinen Teil des nördlichen Territoriums Australiens vor, in der Gegend um Darwin. Hier stellen die Hügel eine bekannte Touristenattraktion dar, denn im Unterschied zu allen anderen Termitenhügeln sind diese wand- oder grabsteinförmig und die stark verlängerte Längsachse zeigt immer in Nord-Süd-Richtung. Wenn diese bis zu 4 m hohen Hügel zu hunderten auf den weiten Grasflächen der tropischen australischen Savanne stehen, bekommt man leicht den Eindruck eines riesigen Friedhofs!


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Termitenhügel von Amitermes meridionalis


Die Termiten scheinen die Ausrichtung des Erdmagnetfelds mithilfe eines magnetischen Sinnes zu registrieren und ihre Hügel dementsprechend ausrichten zu können. Die Form von Termitenhügeln ist artspezifisch und genetisch fixiert. Somit bilden diese auffälligen Wohnbauten ein manifestiertes Abbild des Bauverhaltens.

Die außergewöhnliche Form und Orientierung der A. meridionalis-Hügel unterscheidet sich grundlegend von der Form anderer Termitenhügel. Diese können zwar unterschiedlichste Ausführungen haben, sind aber immer mehr oder weniger kegelförmig. Die wandförmige Struktur der Hügel scheint damit adaptiv zu sein, tatsächlich kennt aber niemand den genauen Grund.

U.a. hat unser Kooperationspartner in Australien, Peter Jacklyn, schon einige Experimente zur Orientierung der Hügel gemacht und wie schon vermutet, führt die Nord-Süd-Ausrichtung im Inneren des Nestes zur bestmöglichen Temperaturstabilität bei dieser Form. Zu dem adaptiven Wert der Form an sich hat vor allem Judith Korb einige Hypothesen entwickelt, die ich jetzt im Rahmen dieses Projekts anhand gezielter Manipulationen testen werde.

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Installierte Datenlogger: links eingebauter Logger, mitte Hauptlogger, rechts Temperaturfühler Oberfläche


Neben der Bestimmung des adaptiven Wertes der Kompasshügel, soll der Einfluss von genetischer Drift und natürlicher Selektion auf die Hügelstruktur untersucht werden. Da die Hügel nur auf niedriger gelegenen Überflutungsflächen vorkommen, ist ihre Lage recht isoliert. Diese Isolierung wird von der Tatsache verstärkt, dass die geflügelten Geschlechtstiere, Alate genannt, eine ziemlich schlechte Flugfähigkeit aufweisen und die Entfernungen vermutlich nicht überbrücken können.

Zusätzlich unterscheiden sich die Hügelfelder leicht in der Orientierung der einzelnen Hügel. Allgemein herrscht hier eine recht hohe Varianz, aber auf einigen Flächen sind bestimmte Abweichungen von der exakten Nord-Süd-Orientierung häufiger als auf anderen. Diese Beobachtung wird von manchen Forschern als eine Anpassung an die lokalen Umweltbedingungen wie Beschattungsverhältnisse oder Windgeschwindigkeiten interpretiert. Ein anderer Erklärungsansatz wäre hier genetische Drift, die zu diesen leichten Abweichungen führen könnte und durch die Isolierung der Flächen sowie die geringe effektive Populationsgröße sehr wahrscheinlich wird. Außerdem möchte ich grundsätzliche Fragen zur Verwandtschaft und Genetik bei dieser Art beantworten, so ist z.B. nicht bekannt, ob eine Kolonie einen Hügel oder mehrere bewohnt, wie nah die Kolonien verwandt sind, wie viele Geschlechtstiere in einer Kolonie leben usw. Da an dieser Art bisher keine genetischen Untersuchungen durchgeführt worden sind, werde ich eine Mikrosatellitenanalyse durchführen und die Primer selber entwickeln.

Durch diese Untersuchungen kann der Einfluss von Zufall und genetischer Drift auf die Hügelstruktur von Kompasstermiten ermessen werden und so ein Modellsystem für die Rolle des Zufalls in der Verhaltensökologie geschaffen werden.


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Spinne mit gefangener Termite
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Hügel von innen
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Geschwärmte Alate in Wasserpfütze