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Biologie


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Auszeichnung an Niedersachsenprofessor Wolfgang Junge für sein wissenschaftliches Lebenswerk


Prof. Dr. Wolfgang Junge, Niedersachsenprofessor am FB5/Biologie, hat am 28. September 2013  für seine jahrzehntelange sehr erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit den „Lifetime Achievement Award 2013“ der Rebeiz Foundation an der University of Illinois erhalten.

Die Auszeichnung geht zum gleichen Teil an Prof. Dr. André T. Jagendorf von der Cornell Universität (USA). Beide Preisträger können mit Fug und Recht als „Pioniere“ der Bioenergetik und Photosynthese bezeichnet werden und in eben diesem Sinne wird die Auszeichnung denn auch mit den oft entscheidenden Experimenten der gemeinsamen Preisträger zur Synthese von ATP begründet.

ATP ist die „Energiewährung der Zelle“ in allen bekannten Organismen auf der Erde. Umgerechnet resynthetisiert ein erwachsener Mensch pro Tag annähernd seine Körpermasse als ATP! Die Energiebereitstellung in lebenden Organismen, die zur Aufrechterhaltung ihrer „inneren  Ordnung“ und damit dem Unterschied zwischen belebter und unbelebter Natur absolut entscheidend ist, war lange Zeit ein ebenso unverstandenes wie strittiges Kapitel in Biologie und Chemie. Eine revolutionäre These des späteren Nobelpreisträgers Peter Mitchell litt zunächst erheblich an Akzeptanz. Die Untersuchungen von Jagendorf und Junge ebneten ihr den Weg, so daß Mitchell 1978 den Nobelpreis für seine „chemi-osmotische Hypothese“ entgegennehmen konnte.

Wolfgang Junge lieferte darüber hinaus wesentliche Beiträge zum Verständnis des Teilbereiches der Photosynthese grüner Pflanzen, der für die fortwährende Sauerstoffproduktion auf der Erde und damit das Überleben auch des Menschen verantworlich ist. Ein weiterer Nobelpreis, der 1997 auf dem Gebiet der Bioenergetik vergeben wurde, erwähnte in seiner Begründung ausdrücklich die grundlegenden Arbeiten von W. Junge zur Funktionsweise der molekularen Maschinerie, die letztlich in allen Lebewesen ATP erzeugt.  

Der Fachbereich gratuliert W. Junge zur Preisverleihung!                              (sev)

 

Prof. Dr. Ing. Wolfgang Junge wurde in einer Feierstunde vom Fachbereich Physik der FU Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen. Junge forscht und lehrt seit mehr als 35 Jahren am Fachbereich Biologie/Chemie der Universität Osnabrück.

Er wurde 1940 in Berlin geboren und studierte dort von 1959 bis 1965 an der Technischen Universität Physik, Mathematik, und Hochfrequenztechnik. Schon während seiner Promotion bei Horst Witt (1968) hatte er über die oxygene Photosynthese gearbeitet. Diesem Arbeitsgebiet blieb er sein Leben lang verpflichtet. 1971 habilitierte sich Junge in Physikalischer Chemie, verbrachte mehrere Forschungsaufenthalte im Ausland und wurde 1973 nach einem Auswärtsruf als Professor für Biophysikalische Chemie an die TU Berlin berufen. 1979 nahm er den Ruf auf eine neu einzurichtende Professur für Biophysik an der Universität Osnabrück an.

1984 gründete er mit Kollegen den ersten Osnabrücker Sonderforschungsbereich, den er bis 1999 als Sprecher koordinierte. Dieser gemeinsam getragene und von der DFG geförderte Forschungsverbund erwarb sich auf dem Gebiet der Membranbiologie exzellentes nationales und internationales Ansehen und etablierte die Osnabrücker Biologie als Forschungsstätte von Rang.

Die Beiträge der Arbeitsgruppe Junge zum Verständnis des molekularen Mechanismus' der rotatorischen Nanomaschine, die in allen lebenden Zellen für die Bereitstellung der »Energiewährung« ATP verantwortlich ist, floß in die Begründung der Chemie-Nobelpreisvergabe 1997 ein.

Die oftmals wegweisende Bedeutung seiner Arbeiten wurde im Lauf der Zeit durch mehrere  Preise und Auszeichnungen gewürdigt: Röntgen Preis, Niedersächsischer Staatspreis, Peter Mitchell Medal, Boris Rajewsky Preis, Human Frontier Science Award, Rebeiz-Foundation Lifetime Achievement Award und das  Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Neben seinen Forschungs- und Lehraktivitäten nahm Wolfgang Junge vielfältige ehrenamtliche Tätigkeiten in Wissenschaftsorganisationen wahr, u.a. im Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft, als Kurator der Volkswagen-Stiftung, in wissenschaftlichen Beiräten zweier Max-Planck-Institute und als Präsident der »International Society of Photosynthesis Research«. 

 »Die Auszeichnung für Wolfgang Junge zeigt sein Renommee und seinen Einfluß über nationale Grenzen hinaus. Wir gratulieren diesem Ausnahmewissenschaftler von ganzem Herzen«, so der Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Roland Brandt.