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Generell zufrieden

Umfrage von Biologiestudierenden zum digitalen Semester zeigt Positives und Negatives

Das digitale Sommersemester 2020 verlangte sowohl den Studierenden als auch den Lehrenden viel ab. Zeit, Bilanz zu ziehen: Was lief gut, was weniger bei der Umstellung vom normalen Präsenzstudium zu digitalen Lehr- und Prüfungsformaten? In einer Umfrage haben 190 Biologiestudierende zwischen dem 8. und 15 Juli Positives und Negatives benannt.

Rund 1200 Studierende waren in den vergangenen Wochen gebeten worden, sich an der Umfrage zu beteiligen, die die Biologie als eines der ersten Fächer an der Universität initiiert hatte, um Aufschluss zu erhalten, ob und wo es im ersten digitalen Semester gehakt hatte. Durchgeführt wurde die Umfrage nach einer Vorlage der Osnabrücker Kognitionswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler von Dr. Lena Dehnen, zuständig für das Fachbereichsmagazin UOS life, und Studiendekan Dr. Domique Remy. Im Mittelpunkt ihres Fragenkatalogs standen Online-Vorlesungen und –Seminare, digitale Praktika sowie online durchgeführte Klausuren, aber auch Fragen zu sozialen Komponenten.

Die nun vorliegenden Ergebnisse zeichnen ein ambivalentes Bild: So bewerten 74 Prozent die Online-Vorlesungen „im Allgemeinen“ positiv, rund 25 Prozent zeigten sich weniger zufrieden mit den neuen Formaten. Bemängelt wurde unter anderem die Länge der Lehrveranstaltungen, technische Probleme, wie beispielsweise eine schlechte Tonqualität oder eine generell unzureichende Verbindung. Als didaktisches Problem benannt wurden mitunter zu überladene Folien, wodurch bei einigen Studierenden Verständnisprobleme entstanden seien.

Ebenfalls grundsätzlich positiv bewerteten die Studierenden Online-Tutorien und –Seminare, rund 80 Prozent zeigten sich damit zufrieden. Und es gibt sogar Rückmeldungen von einzelnen Studentinnen und Studenten, die digitale Lehrformate Präsenzveranstaltungen generell vorziehen, da sie die Zeitersparnis durch wegfallende Anfahrtswege für das Studium nutzen würden.

Ein Spezifikum naturwissenschaftlicher Studiengänge ist der hohe Praxisanteil, sprich: Laborpraktika und ähnliches. Insgesamt knapp die Hälfte des gesamten Biologiestudiums bestehe aus praktischen Tätigkeiten, wie Studiendekan Remy betont. Und da man den Umgang mit Laborgeräten wie Pipette, Mikroskop oder auch mit Großgeräten nicht digital erlernen kann, wurden bereits im vergangenen Semester einige Praktika in Kleingruppen unter Berücksichtigung der Hygienemaßnahmen durchgeführt; das habe sich bewährt und kam bei den meisten Studierenden gut an, wie in einem Filmbeitrag unter https://www.youtube.com/watch?v=kd3Q7J6dd3Y zu sehen ist. Mit den rein digitalen Praktikumsformaten haben sich die Studierenden allerdings nicht recht anfreunden können, hier war knapp die Hälfte der Befragten mit den Onlineformaten unzufrieden. Durch das kommende Hybridsemester sollten die rein digitalen Praktikumsanteile allerdings voraussichtlich weiter abnehmen, auch werden bereits weitere Maßnahmen zur besseren Fernbetreuung der Studierenden diskutiert, falls doch auf digitale Formate zurückgegriffen werden muss.

Was die Online-Klausuren angeht, so sind Zweidrittel der Studierenden zufrieden. Einigen stößt allerdings der von ihnen als stressig empfundene Zeitmangel während der Prüfungszeit bitter auf. Zum Hintergrund: Da sich kaum überprüfen lässt, ob jemand bei digitalen Klausuren schummelt, ist für die Beantwortung der einzelnen Fragen weniger Zeit vorgesehen. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass die Studierenden sich die korrekten Antworten unrechtmäßig beschaffen. Ein Verfahren, was von einigen durchweg kritisch gesehen wird: "Ich kann verstehen, dass man verhindern möchte, dass die Studierenden etwas nachschauen können", so eine Bemerkung eines Studenten, "aber es durch die verkürzte Zeit zu regeln, ist einfach unfair".

Generell gilt, dass beinahe neunzig Prozent mit der generellen Aufbereitung der Lehrinhalte für die digitale Lehre zufrieden sind; für Dominique Remy und Lena Dehnen ein positiver Befund. "Dass es natürlich hin und wieder Kritik gibt, ist verständlich, diese Rückmeldungen nehmen wir auch ernst", so Dehnen. Und Remy verweist darauf, dass es ja auch für die Lehrenden alles andere als einfach gewesen sei, ihre Vorlesungen in kürzester Zeit in digitale Formate umzuwandeln: "Da dauert die Vorbereitung einer Vorlesungsstunde auch schon mal sechs bis acht Stunden, inklusive der technischen Umsetzung."

Bleibt noch die Frage nach den weggefallenen persönlichen Kontakten zu den Lehrenden und wie diese kompensiert werden könnten. Beinahe 87 Prozent der Studierenden wünscht sich semesterbegleitende Sprechstunden für Module, am liebsten nach "bedürfnisorientierter Absprache", wie 38 Prozent angeben.

Insgesamt also Zahlen, die zeigen, dass die meisten der Studierenden mit dem digitalen Semester zufrieden sind. Und die Lehrenden? Ihnen werden die Zahlen von Dehnen und Remy demnächst noch vorgestellt.

Bei aller positiven Rückmeldung bedauern viele der Studierenden im Corona-Semester vor allem eines: die fehlenden sozialen Kontakte, sei es in der Mensa oder in gemeinsam besuchten Veranstaltungen. Ein Punkt, den Remy und Dehnen durchweg nachvollziehen können: "Ein Studium ist eben auch ein wichtiger Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung, dazu gehört auch, zusammen in einem Hörsaal sitzen, sich nach der Vorlesung bei einem Kaffee austauschen oder gemeinsame Protokolle schreiben, eben ein ganz normaler Studierendenalltag."