Der Wisent - Bison bonasus (Linnaeus 1758)Die Auswilderung der Wisente in den Eleonorenwald
Prof. Dr. Rüdiger Schröpfer
Nach sorgfältiger Vorbereitung und mit Übereinkunft aller Beteiligten
wurden am 22. Dezember 2005 4 Wisente, der vier-einhalb jährige Stier
Spenax und die ein-einhalb
jährigen Kühe Spannyr,
Tirila und
Tita im Arenberger
Eleonorenwald, an der gemeinsamen Grenze der Kreise Emsland und
Cloppenburg, ausgewildert.
In diesem mehr als 1.000 ha großen Jagdgatter, dem größten
Jagdgatter in Deutschland, das daher von seiner Größe her als Semireservat
gelten kann, treffen die Wisente auf Rotwild, Damwild, Rehwild und Schwarzwild.
Die vier Wisente werden im Zuchtbuch des Europäischen Erhaltungsprogramms EEP
geführt. Die Auswilderung in das Gatter soll somit der Erhaltungszucht dieser in
Europa größten Wildrindart Bison bonasus dienen. Der Wisent wurde bis ins
18. Jahrhundert als wichtiger Fleischlieferant und in hoheitlicher Jagd
verfolgt. Schon im 16. Jahrhundert wurde er in Gehegen gehalten und gezüchtet,
aber nie wie der Ur oder Auerochse Bos primigenius domestiziert. So gab
es im 13.Jahrhundert auf dem niedersächsischen Gebiet noch beide Wildrindarten.
In der Chronik ist zu lesen, dass im Jahre 1240 Herzog Otto von Braunschweig auf
seinen Jagden sowohl Wisente als auch Auerochsen erlegte. Im Jahre 1726 wurden
im östlichen Preußen, wo sich Wilhelm I. sehr um den Wisentschutz bemühte, 117
Wisente gezählt. 1729 wurde ein Jagdverbot erlassen. Aber bereits 1755 wurden
die beiden letzten Wisente im Gebiet zwischen Tapiau und Tilsit durch Wilderer
getötet, wodurch diese Wildrindart im mitteleuropäischen Raum in freier Natur
endgültig ausgerottet war. Sie überlebte aber bis heute in der Gehegehaltung;
eine einzigartige über die Jahrhunderte erfolgreiche Geschichte des Schutzes
dieser Säugetierart, ein Beispiel für einen gelungenen ex situ-Schutz.
"Wir fördern dieses Vorhaben, weil durch große Pflanzenfresser wie Wisente
die Landschaft auf natürliche Weise offen gehalten wird. Einerseits tun wir so
etwas für den Artenschutz und geben Tieren, die aus dem Wisentgehege Springe und
aus dem Tierpark Berlin-Friedrichsfelde kommen, einen neuen Lebensraum. Anderseits
wird so Biotop- und Landschaftsschutz im Eleonorenwald betrieben."
Das Niedersächsische Umweltministerium unterstützt daher das Projekt im Jahre
2006 mit einer Anschubfinanzierung und in den Folgejahren mit Mitteln des
Vertragsnaturschutzes.
Da seit langer Zeit im Eleonorenwald eine derartige Waldflächennutzung betrieben wurde und durch die Jagdgatter-Unterhaltung große Erfahrung mit Hochwild vorliegt, stimmte Privat-Forstdirektor Winfried Frölich, Geschäftsführer der Arenberg-Meppen GmbH, der Idee einer Wisent-Auswilderung im Eleonorenwald zu. In allen Wisent-Haltungen, so auch z.B. in der großen Herde im Bialowieza-Urwald in Polen, muss besonders wintertags zugefüttert werden. Im Eleonorenwald wird diese Aufgabe fachmännisch und umsichtig von Privat-Forstamtmann Johannes Dierkes übernommen.
Auch Bürgermeister Heribert Kleene in Vrees verspricht sich positive
Auswirkungen auf den Tourismus in seiner Gemeinde. Besteht doch jetzt
die Möglichkeit, mit etwas Beobachtungsglück, das mit 600 kg schwere, größte
Landsäugetier Europas kennen zu lernen. Um dieses Erlebnis aber tatsächlich
bieten zu können, wird schon jetzt angedacht, ein Wisent-Schaugehege artgerecht
und übersichtlich einzurichten, da die Wisente im Gatter recht heimlich sind.
Noch sind die Wisente im Eingewöhnungsgatter. Im Vollfrühling, im Mai 2006, werden sie dann in das Semireservat entlassen.
Weitere Informationen zum Wisent gibt es in der BSH-Broschüre (als pdf-Datei): | zurück |
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